Grüß Göttin!

„Die Göttin und ihr Heros"
 Vom Mutterrecht zum Vaterrecht

Ein Beitrag zur Feminismus-Diskussion von Hans Lainer


Als Johann Jakob Bachofen 1861 das Mutterrecht (Matriarchat) entdeckte, stieß er wie einst Galilei auf strikte, ja feindliche Ablehnung. Unglaublich erschien selbst den Gelehrten, dass es außer der „von Gott so geschaffenen und ewig gültigen patriarchalen Weltordnung" jemals eine andere gegeben habe.

Die Matriarchatsforschung geriet rasch ins Schussfeld konservativer Vorurteile und lange Zeit glaubte man, das Matriarchat sei so eine Art Erdschollen hockender Mütterverein gewesen und erst der apollinische, helle männliche Geist habe die Frauen aus ihrem erdgebundenen, dumpfen Denken befreit. Intensive ethnologische, mythologische, urgeschichtliche und sprachwissenschaftliche Forschungen bestätigen heute weitgehend die Erkenntnisse Bachofens und befruchten die weltweit auf hohem Niveau geführte Feminismus-Diskussion.

Wir wissen heute, dass es nicht nur eine 3000jährige Geschichte des Patriarchats gibt, sondern dass die bewusste Menschheitsgeschichte auch bis in die Gegenwart herein reichende Matriarchate  kennt.

In der Forschung konnte nachgewiesen werden, dass auf dem Boden einer Bauernkultur eine hoch entwickelte Stadtkultur entstehen kann, allerdings auf agrarischer Ökonomie. In der Phase des entwickelten Matriarchats kennen wir mindestens vier städtische Hochkulturen - am Indus, bei den Sumerern, in Altägypten und auf Kreta die Minoische Kultur.

Die Ethnologie kennt auch heute noch auf allen Kontinenten – außer in Europa – Völker mit matriarchalen Merkmalen: die Nayar in Indien, die Irokesen in den USA, die Tuareg in Nordafrika, die Mosuo in China etc.

Aufgrund von kolonialer Vereinnahmung, Missionierung oder wegen Interaktionsprozessen mit angrenzenden Nationen weisen diese allerdings nur noch selten alle Züge ihrer ursprünglichen Kultur auf.

Nach dem Motto: „Was nicht wahr sein darf, ist auch nicht wahr", hat das Patriarchat die Geschichte der mutterrechtlichen Kulturen restlos aus seinem Bewusstsein verdrängt!

Dieser Aufsatz konzentriert sich auf einen wesentlichen Aspekt, denn am Beispiel der Mythologie und der Religionsvorstellungen lassen sich sehr gut mutterrechtliches Denken und die patriarchale Umwertung verfolgen.

Die dreifaltige Göttin.

Die frühesten Religionen der Menschheit orientieren sich analog der Gesellschaftsstruktur an der „Großen Mutter". Die „Große Mutter" war eine Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin. Sie wurde vielfach als schwangere Frau mit deutlicher Betonung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale dargestellt, wie wir sie z. B. als „Venus von Willendorf" kennen.

 

Heide Göttner-Abendroth weist in ihrem bemerkenswerten Buch „Die Göttin und ihr Heros. - Die matriarchalen Religionen in Mythos, Märchen und Dichtung" nach, dass die matriarchale Göttin eine dreifaltige Göttin war und der dreifaltige Mond sie als Einheit symbolisierte.

Die weiße Sichel als Zeichen des jungen, zunehmenden Mondes ist das Symbol der Göttin in ihrer Mädchengestalt, der Göttin des zunehmenden Jahres (Frühling).

Der Vollmond ist das Symbol der Göttin in ihrer Gestalt als erwachsene Frau, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, die am Höhepunkt des Jahres (Sommer) regiert. Sie ist auch die Schöpferin der Welt, denn der Vollmond bedeutet auch das Welt-Ei, aus dem die Schöpfung fiel, als es zerbrach.

Der Neumond ist das Symbol der Greisingöttin. In der tiefsten Region, der Unterwelt, herrscht sie als winterliche Todesgöttin, die alles Leben mit in die Tiefe nimmt, um im neuen Jahr wieder zum Licht aufzusteigen.

       

Die dreifaltige Göttin –links Hekate vom Capitol

Die drei Bethen

Bei den Kelten bildeten die Göttinnen Ambeth, Borbeth und Wilbeth die göttliche Triade. Unser Wort „beten" ist davon abgeleitet und heißt eigentlich: „die Göttin anrufen". Aber auch im Wort Samstag lebt die keltische Mondgöttin weiter. Es war ihr Tag, der 'S'ambeztac.

Die drei Bethen christianisiert als die drei heiligen Jungfrauen Ainbet, Wilbet und Gwerbet

Das Vigilkirchlein Obsaurs im Oberinntal wird auch oft nur zur hl. Anbeth (Ainbeth) genannt, doch heißt sie in einem Visitationsprotokoll vom Jahre 1711 auch die Kirche zur hl. Wilbeth. Indessen wird im 15. und 16. Jahrhundert St. Vigil urkundlich erwähnt. 1602: "S. Vigil zu Saurs in monte volgo bei S. Anbett, Vilbett und Querbetten." Von da an wird das Kirchlein nach den oder einer der heiligen drei Jungfrauen benannt.

 

Bei den Griechen verselbstständigt sich die Triade wieder in Einzelgöttinnen. Trotzdem bleibt die Dreifaltigkeit erkennbar: Artemis, Aphrodite, Athene (Jugend, Liebe, Weisheit).

    

 

Artemiss in Ephesos            Venus von Milo

 

Pallas Athene

    

Apis

Der Stier ist das heilige Tier der Göttin. Seine Hörner erinnern an die Sichel des Mondes. Zwischen den Hörnern trägt er den Vollmond und die Schlange, ein Fruchtbarkeitssymbol.

 

Maat und Isis

 Die ägyptische Isis konnte sich auch noch im Patriarchat behaupten und errang im Römischen Reich Weltgeltung.
 Ihren Rang tritt sie an Maria ab und verliert dabei die Göttlichkeit.
Fast alle Völker kennen den Mythos von einer mütterlichen Gottheit, von der fruchtbaren Spenderin des Wachstums und des Reichtums, von der großen Nährerin. Sie ist unter vielen Namen bekannt: Anahita (Persien), Aphrodite (Zypern), Ariadne (Kreta), Artemis (Ephesos), Freyja (Germanien), Isis (Ägypten), Kali (Indien), Maria (Palästina).

Das Geheimnis der „Unbefleckten Empfängnis“

In mutterrechtlicher Zeit war lange der Zusammenhang von Zeugung und Geburt unbekannt. Es war allein die Frau, die das Geheimnis der Schöpfung kannte und das Erstaunen der Männer auslöste. Der bei vielen Völkern verbreitete Mythos von der „Unbefleckten Empfängnis" bzw. der „jungfräulichen Geburt" hat hier seinen Ursprung. Entscheidend für die Vergöttlichung der Frau als Mondgöttin dürfte das „magische" Zusammentreffen der weiblichen Menstruationszyklen mit den Mondphasen gewesen sein.

... und die Götter?

Männliche Götter gab es im mutterrechtlichen Kosmos nicht. Der „menschliche" Partner der Göttin ist der Sonnenheros. Im Sommer vollzieht die Frauengöttin mit ihm das zentrale Fest, die „Heilige Hochzeit", die Land und Meer fruchtbar macht. Zu Beginn des Winters opfert ihn die Greisingöttin und führt ihn in die Unterwelt, aus der er am Anfang des nächsten Jahres wieder geläutert aufersteht. (Opfertod- und Auferstehungsmotiv).

Der Fruchtbarkeitskult

Die Heilige Hochzeit (hieros gamos) zelebrierte man z. B. bei den Sumerern und in Babylon in einer feierlichen Zeremonie als rituelle Vereinigung der Oberpriesterin der Göttin Inanna bzw. Istar mit dem König (Heros) des Landes.

Die Priesterin ist dabei Stellvertreterin der Göttin. Wird ein Kind gezeugt, so ist dieses göttlicher Herkunft. Wie die Göttin gilt die Priesterin nach einem reinigendem Bad weiterhin als „jungfräulich" und genießt unangefochten die höchste Autorität im Stadtstaat (matriarchale Theakratie).

Bisweilen entwickelten sich aus der Heiligen Hochzeit orgastische Kulte, an denen auch der einfache Gläubige beteiligt war. Tempeldienerinnen (Hierodulen) gaben sich in einer großen kultischen Feier den Männern hin, um ihnen die ekstatische Verschmelzung mit der „Liebes"-Göttin (unio mystica), die Sicherung der Fruchtbarkeit und die Wiedergeburt zu ermöglichen. Tempelprostitution war also „Gottesdienst", bevor sie im Patriarchat zur käuflichen Liebe degradierte.

Keusch und asketisch sind nur die Priester der vaterrechtlichen Religionen. Sie sublimieren und tabuisieren das Sexuelle. Es entsteht die Ideologie von den bösen Trieben, die als neurotisierende Konstante die Kultur bis heute prägt.

Vom Monismus zum Dualismus

Mit dem Übergang vom Mutter- zum Vaterrecht wird das monistische Weltbild abgelöst vom dualistischen, welches bis heute das Abendland beherrscht und den Menschen zum Suchenden machte.

Erst im Patriarchat kommt es zur Trennung von Gott und Welt und der Transzendenz des Göttlichen. Es entstehen die Gegensätze Gott und Mensch, Diesseits und Jenseits, Immanenz und Transzendenz. Es gibt „Licht" und „Finsternis". Sehr deutlich ist dies in der Lehre des guten und des bösen Prinzips bei Zarathustra ausgedrückt. Der iranische Religionsstifter degradierte alle Götter des persischen Pantheons (der ursprünglich weiblich besetzt war) außer den großen Geist Ahura Mazda zu Teufeln.

 Die strengen Moralvorschriften spalten die Menschen irreversibel in Natur und Geist, Trieb und Moral, Herz und Kopf, Sinnlichkeit und Sittlichkeit, wobei ersteres zugunsten des letzteren verdrängt wird.

Es war Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud vorbehalten, diesen Konflikt als die eigentliche menschliche Katastrophe unserer Kultur aufzudecken.

Für die moderne Feminismusdiskussion ist wichtig festzuhalten, dass es im Matriarchat noch nicht den Antagonismus männlich/weiblich gibt. Beides ist integrativ aufeinander bezogen und kann gleichwertig miteinander bestehen. Der Sonnenheros ist nicht das Gegenteil der Göttin, sondern sie selbst. Er ist ihr Sohn!

Wiedergeburt oder Jenseits?

Analog der Natur und dem Vegetationszyklus (die Saat stirbt, um als Frucht wieder aufzuerstehen), dem Sterben und dem Auferstehen der Sonne glaubten unsere Vorfahren an eine Wiedergeburt. Selbst im frühen Christentum war diese Vorstellung noch verbreitet und wurde erst Jahrhunderte später amtskirchlich verboten.

Jenseitsvorstellungen tauchen erst sehr spät in der Menschheitsgeschichte auf. Sie sind eng verbunden mit der Sklavenhaltergesellschaft des Patriarchats (Bornemann).

Besonders mit dem Aufstieg Roms in zahlreichen Raub- und Eroberungszügen verschärften sich zunehmend die sozialen Widersprüche einer Gesellschaft, die auf der Ausbeutung fremder Länder und der Aneignung der Arbeitskraft von Menschen dieser Länder, den Sklaven, beruhte. Die Klassengesellschaft zeigte politische und ökonomische Macht auf der einen, soziale Ohnmacht und Unterdrückung auf der anderen Seite. 

Die zunehmende Verelendung breiter Schichten der freien Bevölkerung begünstigte das Entstehen und die Verbreitung von Heilslehren, Offenbarungsgeschichten, Zukunftsprophezeiungen und Mysterienkulten. Da der Großteil der Bevölkerung von einer politischen Mitgestaltung des Gemeinwesens ausgeschlossen war, wurde er von der Ohnmacht im Diesseits auf eine soziale Utopie im Jenseits verwiesen, in der die sozialen Unterschiede aufgehoben sind und jeder gleichgestellt ist.

Eine zusätzliche Erklärung für das Entstehen der Jenseitsvorstellung bringt Ernst Borneman in seinem Lebenswerk „Das Patriarchat": Die in allen Mythologien vorhandene Vorstellung vom verloren gegangenen Paradies ist die mythische, kollektive Erinnerung und Sehnsucht der Völker nach den verloren gegangenen mutterrechtlichen Kulturen. Das Patriarchat transzendiert das Paradies als eine wieder herstellbare Utopie ins Jenseits, in der die Entfremdung aufgehoben ist. 

Der Sonnenheros ist der neue Gott.

Re

Echnaton

Die unter dem Einfluss des Orients im Hellenismus entstandenen antiken Erlösungs- und Mysterienreligionen, die den Menschen für tapfer erduldete Mühen und Plagen im Diesseits den gerechten Lohn im Jenseits in Aussicht stellten, fanden rasche Verbreitung und wurden zu Weltreligionen.

Bereits im zweiten Jahrhundert v. Chr. treffen wir im Herrschaftsbereich des Rrömischen Reiches auf die Vorstellungen einer sozialen Utopie, in der die Sonne oder der Sonnengott als Erlöser von der sozialen Knechtschaft auftritt.

Im Zentrum der Verehrung aller Mysterienreligionen stehen Erlösungsgötter - Gottessöhne, die im Auftrag eines göttlichen Vaters die Schuld der Welt auf sich nehmen und durch ihren Opfertod die Auferstehung aller ermöglichen.

Der Mythos vom sterbenden und auferstehenden Gott ist im Römischen Reich weit verbreitet: z. B. als Adonis, Attis, Asklepios, Dionysos, Herakles, Horus, Mithras, Marduk, Osiris, Serapis, Silvanus u. v. a. Augenscheinlich sind die Parallelen zum später entstehenden synkretistischen Christentum. So ist Dionysos wie Prometheus und Christus ein gekreuzigter Gott. Die Fähigkeit, Wasser in Wein zu verwandeln, wird auch ihm nachgesagt. Osiris feiert seine Auferstehung am dritten Tag, Attis nach vier Tagen.

Der Gottmensch Asklepios heilt Sieche und erweckt Tote. Herakles gilt wie alle anderen als Weltheiland und Erlöser. Seine Anhänger lehnen allerdings eine geschenkte Erlösung ab. Nur in der Nachahmung seiner Mühen und Plagen könne sich der Mensch selbst erlösen.

In den eleusinischen Mysterien wird Demeters Gotteskind lakchos von Hirten freudig begrüßt und aufgenommen. Isis gebiert jungfräulich den Gottessohn Horus und schließt an die seit der 5. ägyptischen Dynastie offizielle Staatsideologie an, dass jeder Pharao ohne Geschlechtsakt von einem göttlichen Wort (oder dem Sonnengott Re) mit einer menschlichen Mutter gezeugt worden sei. In der bildenden Kunst findet man Isis als „Madonna mit Kind" dargestellt.

     

Die Darstellung "Isis mit dem Horuskind" wird zum Vorbild für die Mariendarstellung im Christentum.
Die zahlreichen "Schwarzen Madonnen" (z. B. in Altötting, Einsiedeln, Loretto = Bild, Tschenstochau etc.) zeigen deutlich diesen Zusammenhang.

Der von Soldaten weit verbreitete Kult des Sonnengottes und Erlösers Mithras — seinen Geburtstag feierte man am 25. Dezember als Sonnenwende — kennt neben einem Reinheits- und Keuschheitsideal die sonn(en)tägliche Verpflichtung zum Gottesdienst, das Kreuzzeichen, das „ewige Licht", sieben Sakramente, die „Kommunion" mit Brot und Wein. Die entsetzten Kirchenväter sahen darin eine bösartige Erfindung des Teufels!

Der babylonische Marduk schließlich wird gefangen genommen, verhört, gegeißelt, zum Tode verurteilt und aufersteht nach einer Höllenfahrt, in der er die gefangenen Seelen rettet. Der Mythos kennt auch eine Speerwunde, aus der das Herzblut des Gottes fließt.

Der Opfermythos

Die uralte Idee des Opfers ist immer der Ausdruck der jeweiligen sozialen Bedürfnisse und erfüllt so eine wichtige religiöse und gesellschaftliche Funktion.

Im Matriarchat ist die Opferung des Sonnenheros ein kultisches Symbol für das ewige Werden und Vergehen aller biologischen und kosmischen Vorgänge.

Kollektive masochistische Schuldgefühle und „Reinheits"bedürfnisse führen im Patriarchat zum Menschenopfer. Ein übermächtiger, strafender Gott verlangt von seinem Volk, das ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, das Blut und Leben eines seiner Kinder, damit alle anderen von seinem Zorn „erlöst" sind. (Abraham opfert seinen Sohn Isaak bzw. will es tun.) 

Nicht nur bei den Azteken genoss der Geopferte das allergrößte Ansehen. Es war eine große Ehre, für den Gott getötet zu werden, und man machte reichlich Gebrauch davon. Neben der demonstrierten Macht und Autorität des Gottes und seiner Priester brachte dieses Ritual dem Volk Segen, Zuversicht und  - wenn ausreichend Blut über den Altar geflossen war - auch Kriegsglück. Dem in einer feierlichen Zeremonie rituell Getöteten winkte die sichere Auferstehung in einem paradiesischen Jenseits.

Mit dem gesteigerten Erlösungsbedürfnis der Menschen setzte sich schließlich in den Mysterienreligionen die Vorstellung durch, dass ein inzwischen großzügiger Gott, in dessen Schuld die Menschen stehen, seinen eigenen fleischgewordenen Sohn zur Befreiung und Erlösung der in Sünde verstrickten Menschheit opfert und so ein sichtbares Zeichen seiner Größe und Allmacht setzt.

Die antike Mysterienfrömmigkeit

Alle Mysterien gründen sich auf ein als göttliche Offenbarung verkündetes heiliges Wort (hieros logos), das die Menschwerdung, das Leiden und Sterben, die Auferstehung und die göttliche Erhöhung zum Inhalt hat.

Meist wird das Sterben des Gottes besonders grell ausgemalt, damit seine Auferstehung in umso hellerem Glanz leuchtet. Wird nun das Schicksal des Gottes auf den ihm geweihten Menschen übertragen, so bedeutet das für ihn Heil schlechthin: „Freut euch, ihr Mysten, da der Gott gerettet ist, so wird auch euch aus Mühsal Heil zuteil."

Die Übertragung vollzieht sich zunächst im Einweihungssakrament, einer Wasser- oder Bluttaufe und zuweilen einer Einkleidung mit einem göttlichen Gewand. So wird der Myste Glied einer Gemeinde, in der Gott ständig anwesend ist und sich mit ihm in einem wiederholbaren zweiten Sakrament verbindet. Dies ist ein Kultmahl mit Brot, Wein oder auch Milch und Honig, zuweilen auch Fleisch, das entweder geistig vorhanden ist: der Gott gilt als Gastgeber, oder substantiell-theophag: der Gott selbst wird gegessen.

Katholische Theologen sehen in den zahlreichen Übereinstimmungen aller Erlösungsreligionen nicht die simple Transformation des Mythos, sondern göttlich inspirierte Präfiguration und antizipierte Eschatologie (heilsgeschichtliche Vorwegnahme) des einzigen und wahren Erlösers: Jesus. (Leonardo Boff: „Das mütterliche Antlitz Gottes"). 

Welcher Auffassung man auch immer den Vorzug gibt, das Christentum ist in Mythologie und Kult wenig originell. Es siegte aufgrund der außerordentlichen Assimilationskraft, indem es sich die Kräfte seiner Rivalen aneignete. Es verschlang syrische, ägyptische, kleinasiatische und hellenistische Götter und Göttinnen, es machte ihre Kräfte zu einer eigenen Kraft.

Die christliche Mythenproduktion konnte auf eine reiche Tradition mythologischer und philosophischer Versatzstücke zurückgreifen, die zur Zeit der Niederschrift der Evangelien in weiten Kreisen der Bevölkerung sehr bekannt waren. (Carl Schneider: „Das Christentum").

Wer war Jesus Christus?

Mit dieser Frage beschäftigt man sich mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen seit 2000 Jahren. Wir sollten uns bewusst machen, dass die herrschenden Ansichten u. a. auch das Ergebnis einer jahrhundertelangen Machtpolitik sind, die den Andersdenkenden keine Chance ließ und sie oft nicht nur kulturell, sondern sogar physisch vernichtete. 

Abweichend zur offiziellen und kanonisierten Deutung der etablierten Kirchen sollen hier einige Thesen — allerdings sehr verkürzt und ohne den dazugehörenden Argumentationsgang — aus dem in Frankreich viel diskutierten Buch von Michel Clevenot „So kennen wir die Bibel nicht" zur Diskussion gestellt werden.

Clevenot bedient sich mit der strukturalistischen Methode der modernen sozialwissenschaftliche Analysetechnik und findet besonders unter kritischen Katholiken und in sozial engagierten Basisgemeinden eine begeisterte Aufnahme.

Der französische Historiker versucht, hinter den mythologischen Erzählungen die historische Persönlichkeit greifbar zu machen, und findet einen Jesus, der eindeutig auf der Seite der politisch machtlosen und ökonomisch verarmten Bevölkerung steht und die Auseinandersetzung mit den etablierten Schichten, deren Scheinheiligkeit, Selbstgerechtigkeit und einseitig zu ihren Gunsten gehende Schriftauslegung er anprangert, nicht scheut. Sein Scheitern ist das Scheitern eines Sozialrevolutionärs an den übermächtigen Institutionen, die die Vormacht der Etablierten sichern und die Ausbeutung der Unterdrückten in einer Sklavenhaltergesellschaft legitimieren.

Die jüdische Bevölkerung musste damals gleich zweimal Steuern zahlen: an den Tempel in Jerusalem und an die römische Besatzungsmacht. Jesus kämpft gegen die soziale Ungerechtigkeit und somit für eine gerechtere Gesellschaft. Und — er bewegt damit die Massen! „Das Heiligste" in Jerusalem — der Tempel und seine Verwalter — fühlen sich ernsthaft bedroht. Als die Situation zu eskalieren droht, verkündet Jesus die Feindesliebe. Die Gewalt, wie sie die Zeloten vertreten, ist für ihn nicht die Lösung. Viele seiner Anhänger beginnen zu zweifeln und verleugnen ihn: „Ist Jesus der Messias, den die heiligen Schriften schon lange ankündigten?"

Wo befindet sich „Das Reich Gottes"?

Jesus Christus und sein „Reich Gottes" apokalyptisch-jenseitig aufzufassen, ist die Interpretation der gesellschaftlich Unterdrückten und politisch Ohnmächtigen, die Tradition der gescheiterten Befreiungsbewegung und deren Sozialreformer, die ihren Trost nun „im ewigen Leben" suchen. Jesus dürfte sein „Reich Gottes" wohl geistig innerlich (als Sinn des Lebens) und utopisch diesseitig (als politische und ethische Handlung) verstanden haben.

Der Wert seiner Lehre liegt in der „Praxis", in einer Ethik der sozialen Tat und persönlichen Verantwortung — in der Nächstenliebe, die zum Menschen führt und nicht gegen ihn gerichtet ist. Das Leben dieses bemerkenswerten Menschen hatte eindeutig auch eine politische Dimension, obwohl gerade dies heute von den etablierten Erbverwaltern und Bewahrern seines Vermächtnisses vielfach geleugnet wird. Bei Markus lesen wir: „Es ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebendigen. Ihr irrt euch sehr." (Mk 12,1-27).

Natürlich haben nicht „die Juden" Jesus den Prozess gemacht, wie man jahrhundertelang behauptet hat. Das Volk Israels war aus guten Gründen für ihn. Liquidiert hat ihn das sich bedroht fühlende „System", welches schon im Jahre 4 v. Chr. 2000 aufständische Zeloten kreuzigte!

Jesus ein Feminist?

In der modernen Matriarchatsforschung und feministischen Theologie wird immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Wertvorstellungen das patriarchale Denken eigentlich sprengen bzw. eine Rückkehr zur mutterrechtlichen Geborgenheit bedeuten („Gott ist die Liebe").

Alle Charaktereigenschaften, die man Jesus nachsagt, gelten im patriarchalen Weltbild als „weiblich": Sanftmut, Güte, Friedfertigkeit, Fürsorge, Demut, Aufopferung usw. .

Patriarchalisch ist die Institution Kirche, die für männliche Ideale wie Macht, Stärke, Autorität, Unfehlbarkeit, Repräsentation und Gehorsamkeit steht. Jesus hat gerade eine solche Institution in Jerusalem heftig attackiert und in Frage gestellt!

Für die damalige Zeit ein unerhörter Verstoß gegen die Konvention und die Tiefenstruktur der Gesellschaft war auch das völlig ungezwungene und partnerschaftliche Verhältnis, welches Jesus zu den Frauen hatte — für ihn waren sie gleichberechtigt! Unter seinen Anhängern dürfte dies schon damals ein „Reizthema" gewesen sein und zu hitzigen Diskussionen geführt haben: In einem erst 1945 in Ägypten gefundenen Papyrus-Evangelium — die Wissenschaft meint, es sei älter als alle anderen überlieferten Texte — wird berichtet, dass Jesus seine Freundin (!) Maria Magdalena in der Vermittlung der Lehre den Jüngern gegenüber bevorzugt habe und es deshalb zu einem Streit gekommen sei. 

Gleichberechtigt waren die Frauen unter den gnostischen Christen. Man ernannte sie zu Priesterinnen, ja sogar zu Bischöfen. Diese „Irrlehre" konnte sich freilich im Patriarchat nicht behaupten. Erst im Spätmittelalter kam es unter den Katharern zu einer Wiederbelebung des christlichen Gleichheitsgrundsatzes, der sich auch auf die Frauen erstreckte. 

Die Kirche erfand zur Vernichtung der irregeführten „Ketzer", die den wahren Glauben bedrohten, die heilige Inquisition. Wie schon in Jerusalem ging es natürlich nicht um Religion, sondern um die machtpolitische Absicherung der „gottgewollten" Obrigkeit.

Die Höllenfahrt Lucifers



Lucifer (lat. "Lichtträger)

Nicht jeder Sonnenheros schafft die Transformation zum patriarchalen Erlösungsgott. Die Alternative ist die Dämonisierung. Lucifer, der treue Begleiter  und "Lichtträger" der „Göttlichen Weisheit" (= Hagia Sophia), wird in patriarchaler Deutung als aufständischer „Gegengott" aus den himmlischen Sphären in die finstere Hölle hinabgestürzt. Dort errichtet er das Reich des Bösen und bedroht als ewiger Verführer und „Antichrist" die Menschen. Mit Angst und Schrecken wird der Gläubige diszipliniert.


Die Hölle - aus dem Hortus Deliciarum, 12. Jahrhundert
 

In der Apokalypse, der geheimen Offenbarung des Johannes, die sich wie die Beschreibung eines atomaren Infernos liest, wird prophezeit, dass Lucifer am Ende der (patriarchalen) Zeiten zurückkehrt, um „seine" Ordnung wiederherzustellen:

„Da erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, umgeben von der Sonne, den Mond unter ihren Füßen, und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie in ihren Wehen und in der Qual des Gebärens." (Offb. 12,1-2).

Ist es Zufall, wenn sich eine psychisch deformierte und sozial desorientierte männliche Kultur den eigenen Untergang prophezeit und darin sogar noch die Erlösung sieht?

Wo sind die Göttinnen geblieben?

Das patriarchale Denken erfasste schließlich alle Lebensbereiche. Sehr deutlich sieht man die Veränderungen in den Schöpfungsmythen, die die neue Ideologie eindrucksvoll aufzeigen. Nicht mehr die „Große Mutter" hat die Welt erschaffen: ein patriarchaler Gott ist der neue Be„herr"scher des Kosmos. Seine Weisheit und die der Männer regieren von nun an die Welt. Muttergöttinnen werden abgewertet, liquidiert, ja vielfach sogar dämonisiert. Öfters wechseln sie das Geschlecht und werden zu männlichen Gottheiten, die für die neue, hierarchische und sehr häufig frauenfeindliche Ordnung stehen.

Der allmächtige dreifaltige Gott

Die „Große Göttin" des Orients hieß nach ihrem sumerischen Namen „lahu", die „Erhabene Taube". Sie war eine universale Liebesgöttin. Die patriarchalen Stämme, die in Palästina eindrangen, raubten der Göttin den Namen und auch die Taubengestalt für ihren Gott.

lahu wurde zu Jahwe und die Taube, das Ur-Symbol des matriarchalen Eros, zum asketischen Heiligen Geist der patriarchalen jüdischen Religion. Das Christentum stellte mit Jahwe (Gottvater), Jesus (Gottsohn) und dem Heiligen Geist die Dreifaltigkeit wieder her.

Im frühen Christentum, wie es z. B. noch Mohammed kennen lernte, stand an dritter Stelle Maria. Der Prophet Allahs verwarf diese Vorstellung als polytheistisch und führte die Religion zum strengen (patriarchalen) Monotheismus zurück.

Eva oder der Verlust des Paradieses


Meister Bertram: Gott vertreibt Adam und Eva aus dem Paradies

Hawa oder Heba oder Hebe, später Eva oder Eve war die „Mutter allen Lebens", die Erdgöttin von Jerusalem. Sie herrschte in ihrem Obstgarten-Paradies, wie z. B. auch Hera oder die Hesperiden. Alles Leben brachte sie nur mit der phallischen Schlange hervor wie die ältesten Göttinnen des einfachen Matriarchats.

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Die Schlange gilt auch als Symbol der Wiedergeburt, weil sie nach der Häutung scheinbar zu neuem Leben wiedererwacht.

 

Später hatte Eva auch einen Heros, er hieß Abdi-heba (Adam), sein Name war eindeutig von dem ihren abgeleitet.

Sie heiratete ihn jährlich, nachdem sie ihm den klassischen Liebes- und Todesapfel überreicht hatte. Ebenso sicher opferte sie ihn, um ihm in ihrem Apfelgartenparadies das ewige Leben und die ewige Jugend zu schenken (Opfertod- und Auferstehungsmotiv).

Den Namen dieser Göttin nahm der semitische Gott Jehova (von Jehva = Eva) in Besitz. Die Liebesgöttin Eva wurde reduziert zum sündigen Weib, das zu viel über Leben und Tod, symbolisiert im Apfel, wissen wollte. Sie wollte also zu viel über ihr ureigenstes Wissen erfahren, das sie seit grauer Vorzeit besaß!


Buchmalerei, 15. Jhd.

Eva ist fortan Adam untergeordnet. Der patriarchale Mythos lässt sie sogar aus „seiner" Rippe entstehen. Die Phallusschlange, ihr Symbol der Kreativität und Lust, wird zum Prinzip des Bösen. Alles Üble kommt von nun an von der Frau! Eine Parallele zu Eva ist die griechische Pandora. Auch sie war eine Muttergöttin. Im Patriarchat wird sie zur ersten menschlichen Frau, die in ihrer Büchse das Böse in die Welt und den Männern bringt.



Füllhorn und Gralskelch

Die „Büchse" der Pandora ist in Wirklichkeit ein matriarchales Sexualsymbol, welches als „Füllhorn" bzw. auch sehr oft als „Kelch" für den unerschöpflichen Schoß (Vulva, Yoni) der Göttin steht, aus dem Leben, Fruchtbarkeit und Reichtum quillt.

Die Verteufelung der Frauen



Die Schutzmantelmadonna von Ptujska Gora (Slowenien)

Im 13. Jahrhundert erreichte nicht zufällig die Verehrung Mariens als Himmelskönigin ihren Höhepunkt. Es ist nur die Kehrseite der Medaille, wenn man einer Zeit, in der die Frau zum Symbol des Bösen wird, den sündigen Menschen das Ideal einer unbefleckten - jungfräulichen - sündenlosen Maria zur Anbetung empfiehlt.

Die real existierenden Frauen sieht man, wie z. B. Tertullian, als Einfallspforte des Teufels. Im Namen Evas, die den Menschen das Paradies verdorben und die (Erb-)Sünde in die Welt gebracht hat, macht man sie sogar für den Kreuzestod Jesu verantwortlich.

Frauen, die in mutterrechtlichen Kulturen führenden Anteil am gesellschaftlichen Leben hatten und besonders als Priesterinnen hoch geachtet waren, verbannte man zunehmend ins Haus und an den Herd. Während man den Frauen die Attribute des Teuflischen aufbürdete — ihr Charakter sei zornig, streitsüchtig, neidisch, verschlagen, lügenhaft und feig —, widmete sich das andere Geschlecht ungestört der „Herrschaft.

Bereits im antiken Athen galt die Frau als das Eigentum des Mannes, sie durfte das Haus nur mehr unter Aufsicht verlassen. In der überlieferten Meinung drückt sich nicht nur die Verachtung, sondern auch die Angst der Männer vor den Frauen aus.

Menander zum Beispiel: „Ein böses Gewächs im Leben ist das Weib, als nötiges Übel aber kaufen wir es doch!" Oder Euripides: „Stets sind die Weiber hinderlich dem Wohlergehen der Männer, dass zum Schlimmeren es sich wenden muss." Für den Arzt Hippokrates ist klar: „Die Frau bedarf eines Zuchtmeisters, denn sie hat von Natur aus das Zügellose an sich, sodass sie, wenn sie nicht täglich ausgerodet wird wie die Bäume, zu üppig ins Kraut schießt."

Die streng patriarchalen Juden beteten nun sogar zu ihrem Gott: „Herr, ich danke dir, dass ich nicht als Frau auf diese Welt gekommen bin."

Die Kirche der Männer

Selbst Paulus ist — im Gegensatz zu Jesus — nicht ganz unbeeinflusst vom Zeitgeist. Sein Satz gilt bis heute: „Mulier taceat in ecclesia." — „Die Frauen sollen in der Kirche schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie haben sich unterzuordnen." (1. Kor. 14.34).

Die Kirchenväter hinterließen reichlich Zeugnis, dass sie nicht immer die Radikalität des Denkens Jesu realisierten, der sich wie sonst niemand in seiner Zeit für die Gleichheit aller eingesetzt hatte. Z. B. Thomas von Aquin: „Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen." Immer wieder beruft man sich auf Eva, um die Sündhaftigkeit des Weibes zu veranschaulichen.

Das Zentralproblem war stets, wie man der weiblichen Erotik entgeht, der Versuchung widersteht. Folgerichtig galt all das als unanständig, was ständig in den Köpfen der Männer spukte. Bis ins 19. Jahrhundert grübelten manche gelehrten Männer, ob Frauen auch eine Seele haben. Als besonders fatal hat sich die Tatsache ausgewirkt, dass man am Beginn der Neuzeit alle einschlägigen Zitate der Theologen, vielfach aus dem Kontext gerissen, im „Hexenhammer" sammelte und damit den paranoiden Frauenhass und die größte Frauenverfolgung der Geschichte auch noch als „Wille Gottes" rechtfertigte.

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Der „Hexenkammer", das Standardwerk der Hexerei meinte, der natürliche Grund für die maßlose Lasterhaftigkeit der Frauen sei die Tatsache, dass Frauen lüsterner sind als Männer. Diese Lüsternheit bringe sie dazu, sich mit Teufeln und Dämonen einzulassen. (Das Motiv der Anklage zeigt deutlich die neurotische Zwangsvorstellung der patriarchalen Gesellschaft!) Außerdem sei schon die erste Frau falsch gewesen, weil sie aus einer gebogenen Rippe geschaffen wurde, die sich vom Mann abwandte. Und weil sie wegen dieses Mangels ein unvollkommenes Wesen sei, meinten die im Zölibat lebenden Dominikanerbrüder Sprenger und Institoris, werde sie immer betrügerisch und voller Laster bleiben. Die Folgen dieser Erkenntnis: Allein die erhalten gebliebenen Akten belegen eine Zahl von 100.000 bestialisch ermordeten Frauen!

Hexenbilder von Hans Baldung Grien (1485-1545) aus der Zeit nach der Reformation

 

Hexen und Satansbräute

Matriarchale Gegenkulte zum Christentum überlebten länger, als es allgemein bekannt ist. So gab es heidnische Kulte, von der Kirche auf das Heftigste diffamiert, bis in die Neuzeit.

Zumindest einige jener Frauen, die man mit der Anschuldigung anklagte, sie hätten geschlechtlich mit dem Teufel verkehrt - in Wirklichkeit feierten sie die „Heilige Hochzeit" -, waren Anhängerinnen uralter Fruchtbarkeitskulte und Trägerinnen großer Weisheit.

Die weltweite Frauenbewegung führte inzwischen zu einer positiven Neubewertung und Wiederbelebung der weiblichen Spiritualität.


Hekate – Totengöttin und himmlische Hebamme: Vorbild für Hexen


Seit Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts bildete sich, ausgehend von England, eine moderne, magisch-okkultistische Hexenbewegung, die vor allem im Kleinbürgertum stark verbreitet ist. Der Wiccakult, der im Gegensatz zum Christentum eine matriarchalische Religionsform mit einer Hohenpriesterin an der Spitze jeder Gruppe oder jedes Stammes ist, lehnt sich an die historischen Hexen an. Die Mitglieder, die sich als Nachfahren der mittelalterlichen Hexen sehen, bezeichnen sich als Hexen oder Hexer und versuchen, in kultischen Handlungen die Muttergöttin zu verehren.

Wicca-Symbolik - Pentagramm

Resümee

Am Ende dieses kurzen Forschungsberichtes, der sich als bescheidener Versuch versteht, den Frauen ihre Geschichte zurückzugeben, lässt sich folgendes Resümee ziehen: 

Askese und Selbstkasteiung, Sündenwahn und Schuldgefühle, Buße und Erlösungshoffnungen, eine lustfeindliche, neurotisierende Sexualmoral, eschatologische Endzeiterwartungen und apokalyptische Strafgerichte sind Bewusstseinsformen der patriarchalen Gesellschaft bzw. deren Menschen, die in innerer Zerrissenheit von Trieb und Geist und in der politischen und ökonomischen Ohnmacht einer Klassengesellschaft lebend Hoffnungen und Sehnsüchte nach der verlorenen Utopie eines Paradieses entwickeln.

Mutterrechtlichen Kulturen ist dieses Denken fremd. Es fehlt ihnen offensichtlich ein soziales Bedürfnis danach, da sich hier ein sinnvolles und nicht-entfremdetes Leben auch im Diesseits entfalten kann.

Weiterführende Literatur:

·         Bachofen, Johann Jakob: Mutterrecht und Urreligion, Stuttgart 1954. 

·         de Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus. der Frau, Reinbek 1968.

·         Boff, Leonardo: Das mütterliche Antlitz Gottes, Patmos Verlag, Düsseldorf 1985.

·         Borneman, Ernest; Das Patriarchat. Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems, Fischer Tb, Frankfurt 1979. 

·         Clevenot, Michel: So kennen wir die Bibel nicht, Chr. Kaiser Verlag, München 1980.

·         Delumeau, Jean: Angst im Abendtand. Die Geschichte kollektiver Ängste in Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts, 2 Bände, Rohwolt Tb, Reinbek 1985.

·         Deschner, Karlheinz: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte aus der Sicht eines Nicht-Christen, Econ Verlag, Wien 1980,

·         Fester, Richard (Hrsg.): Weib und Macht, Fischer Tb, Frankfurt 1980.

·         Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros. Die matriarchalen Religionen in Mythos, Märchen und Dichtung, Verlag Frauenoffensive, München 1980.

·         Gugenberger, Eduard; Schweidlenka, Roman: Mutter Erde, Magie und Politik. Zwischen Faschismus und neuer Gesellschaft, Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1987. 

·         Jannberg, Judith (= Gerlinde Schilcher): Ich bin eine Hexe, Bonn 1983.

·         Richter, Horst-Eberhard: Der Gotteskomplex, Rohwolt Tb, Reinbek 1986.

·         Schneider, Carl: Das Christentum. In: Propyläen Weltgeschichte IV 2, Ullstein Verlag, Frankfurt 1964. 

·         Toynbee, Arnold: Menschheit und Mutter Erde. Die Geschichte der großen Zivilisationen, Claassen Verlag, Düsseldorf 1979. 

·         Utrio, Kaari: Evas Töchter. Die weibliche Seite der Geschichte, Rasch und Röhring Verlag, Hamburg - Zürich 1987.

Stichwort: Matriarchat

Urgeschichtliche Forschungen zeigen uns, dass der patriarchalen Gesellschaft eine mutterrechtliche voranging. Die Verbreitung reichte von den Indianern Amerikas über den alteuropäisch-asiatischen Kulturraum bis nach Indien und China.

Es gab entwickelte Hochkulturen, wie z. B. die Minoische Kultur auf Kreta als die bekannteste.


Schlangengöttin aus Knossos, Kreta

Ethnologen (Völkerkundler) fanden heute noch existierende Mutterrechte in Amerika (z. B. die Irokesen), Malaysia und Afrika, aber auch die Eskimos sind mutterrechtlich organisiert.

In der mutterrechtlichen Gesellschaft ist die Frau die zentrale Figur der Gemeinschaft. Sie hat die Verantwortung über die Kinder und die Produktionsmittel und entscheidet über die Verteilung der Nahrung. Sexuell ist sie ebenso frei wie der Mann. Sie leitet die religiösen Riten und steht der Gemeinschaft vor.

Die Religion spiegelt im Mythos von der „Großen Mutter" diese Gesellschaftsform wider. Männliche Götter gibt es nicht, die Menschen glauben an eine Wiedergeburt im Diesseits, die ihnen nur eine Frau ermöglichen kann. Die Gemeinschaft ist matrilinear: Die Abstammung wird nach der Mutter bestimmt. Außerdem ist sie meist matrilokal: Der Mann zieht zur Sippe seiner Frau und nicht umgekehrt.

Viele Kulturleistungen schreibt man heute den Frauen zu. Z. B. die Erfindung des Ackerbaues und das Züchten und Zähmen von Wildtieren.

Stichwort: Patriarchat

Je weiter sich der Ackerbau, das Privateigentum, die Versklavung der Bauern und die systematische Kriegsführung entwickeln, desto mehr verschwindet die „Große Mutter" im mythischen Dunkel.

Mit der Machtübernahme der Männer werden die Frauen zu verachteten Wesen, denen man jede Freizügigkeit verbietet und die Kulturfähigkeit abspricht. Erst jetzt — nach vermutlich drei Millionen Jahren Menschheitsgeschichte — entsteht die Institution Ehe. Sie bringt den Frauen nicht nur zivilrechtlich schwerwiegende Nachteile. 

Bereits im antiken Athen gelten die Frauen als Eigentum des Mannes. Man verbannte sie ins Haus und an den Herd. Ihre Aufgabe ist es, für die Männer den legitimen Erben zu gebären. Typisch für das Patriarchat ist die doppelte Moral. Schon in den ältesten bekannten Gesetzen wird dem Mann eine weitgehende sexuelle Freiheit zugestanden, während die Frau streng an einen einzigen Mann gebunden ist. Der Mann kann seine Frau verstoßen, sie muss ihm treu sein. Groß ist die Angst des Mannes, seine Frau könnte fremd gehen und somit seinen Anspruch als Besitzer der Frau und sein Erbe gefährden. 

Frauen unterliegen einer strengen sozialen Kontrolle, die sogar soweit gehen kann, dass sie sich selbst überwachen. Zur physischen Unterdrückung kommt nun auch die psychische. Jahrhundertelang verinnerlichte Rollenfixierungen erweisen sich bis heute als die größten Hürden einer Emanzipation beider Geschlechter.

Die neue patriarchale Ideologie drückt sich besonders in der Religion aus. Es entstehen absolut patriarchale Großreligionen, wie das Judentum, der Islam und der Protestantismus, die weibliche Gottheiten vollkommen auslöschen. Frauen dürfen in vielen Religionen nicht mehr Priesterinnen sein. Früher war das ihr angesehenster Beruf.

Literaturtipp:

Göttner-Abendroth: Die Göttin und ihr Heros

Kapitel aus dem Buch: "Die matriarchalen Religionen und ihre Transformationen

1.      Griechenland (Artemis und Aktaion, Aphrodite und Adonis, Athene und Erechtheus)

2.      Kreta (Demeter und Iakchos, Rhea und Zeus, Hera und Zeus, Hera und Herakles)

3.      Ägypten (Nout-Neit und Re, Hathor und Horus, Isis und Osiris)

4.      Sumer/Babylon (Inanna-Ishtar und Dumuzi-Tammuz)

5.      Kleinasien und Palästina (Kubaba und Teshub, Kybele und Attis, Atargatis und Hadad, Anat und Baal)

6.      Persien und Indien (Anahita und Mitra, Prithivi und Dyaus Pitar, Sarasvati und Brahma, Shakti und Shiva, Lakshmi und Vishnu)

7.      Nordwest- und Mitteleuropa

1.     Kelten (Dana und Dagda, Modron-Morrigain und Bran,Erin und Lug)

2.     Germanen (Jörd und Tyr-Heimdall, Freyja und Freyr, Frigga und Od-Baldur)

Transformationen der matriarchalen Religionen Die Prinzessin und ihre Brüder Die Reichtumsspenderin im Jenseits Die schenkende Frau in totenähnlichem Zustand Die Heilbringermärchen

Transformationen der Zaubermärchen Die Herrin und ihr Held Matriarchale Mythologie in der Epik des Mittelalters

1.      Die Artusepik (der Roman von "Ywain", der Roman von "Erec", die Gralserzählungen um Parcival, der Lancelot-Zyklus)

2.      Die Tristanerzählungen

3.      Das Nibelungenlied/Siegfriedsagen

Transfomationen matriarchaler Mythologie
Anmerkungen
Alphabetisches Register der Mythologischen Namen mit Erläuterungen

Klappentext:

Dieses Buch ist eine Rekonstruktion der verdrängten, verdeckten und vergessenen matriarchalen Religionen in ihrer am höchsten entwickelten Form. Sie werden durch eine vergleichend-kritische Analyse der indoeuropäischen Mythologie wieder gewonnen. Die Vielfalt der Gestalten in indischen, persischen, vorderorientalischen, ägyptischen, griechischen, keltischen und germanischen Mythen wird in ihrem systematischen Zusammenhang erklärt, was überraschende Parallelen bis hin zum Christentum aufdeckt. Die Ideen von matriarchaler Weiblichkeit und matriarchaler Männlichkeit treten dabei klar zutage. die Wiederentdeckung der Struktur der matriarchalen Religionen gestattet zuletzt, die typischen Veränderungen, die diese Religionen in patriarchalen Gesellschaften erfuhren, als die generellen Regeln für ihre Deformation darzustellen.

Im zweiten Teil wird gezeigt, wie die Symbol- und Handlungsmuster der matriarchalen Religionen in den internationalen Märchen weiterleben. Im dritten Teil wird anhand der großen Epen des europäischen. Mittelalters nachgewiesen, dass auf dem Boden von Mythologie und Märchen die Struktur der matriarchalen. Religionen zur Grundlage der poetischen Stoffe europäischer Dichtung wird. Die niemals nur ideen- und symbolgeschichtliche Analyse ist dabei immer auf die Auseinandersetzung zwischen matriarchalen und patriarchalen Gesellschaftsformen und deren Ideologiebildung zurück bezogen. Es zeigt sich der große Einfluss sehr alter matriarchalen Denkformen auf unsere Kultur, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Sie wieder zu entdecken bedeutet ein Stück Selbstidentifikation hinzuzugewinnen.

Surftipps:

        Matriarchat (Wikipedia)
        Matriarchat (Aufsatz)
        Brunhilde
        Wicca
       Frauenwisssen.at
       Matriarchat.net
       Die große Göttin
      Çatal Höyük
      Keltischer Jahreskreis



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